1.000 Kilometer im Sattel

Ein Erlebnisbericht von Sabine Keller.

 

 

Am 31.07.13 war es endlich soweit: Mein Lebensgefährte Uli brachte mein Pferd und mich nach Frankreich in die Vogesen – nach Anould zu Bekannten. Mit Isis, meiner selbstgezogenen Mangalarga Marchadorstute wollte ich mir endlich einen Traum erfüllen: Vier Wochen mit dem Pferd unterwegs sein.

Die Gelegenheit war günstig: Ich hatte noch viel alten Urlaub und ein gutes Pferd. So bepackte ich Isis am nächsten Morgen und Uli fuhr wieder nach Hause in die Eifel. Da ich stets ohne Tross und mit allem Gepäck auf dem Pferd reite, ging dies routiniert und schnell von der Hand. Dieses Mal nahm ich ein leichtes Zelt mit, da ich die ersten 2,5 Wochen alleine und ohne festes Quartier unterwegs sein würde. Es war heiß in den ersten Tagen – über 34 Grad – und Isis versuchte vergeblich die zahlreichen und zum Teil auch sehr großen Insekten abzuwehren. Teilweise waren die Bremsen 4 cm groß und ungewohnt gelb-schwarz geringelt, ähnlich einer Hornisse. Dazu ihr dumpfes,  alarmierendes Summen- da half auch das Bremsenspray nur wenig. Spätestens an der nächsten Steigung –und diese gab es genug in den Vogesen (wir sind bis auf 1.360 m Höhe geritten)- fielen sie wieder über uns her. Im ersten Nachtquartier auf einer Wiese neben einer hübschen kleinen neugierigen Shettydame trabte Isis nur hin und her. Aber es half nichts; sie musste sich einfach an die Plagegeister gewöhnen.

Dagegen hatte ich es besser: Ich schlief nach einem leckeren Abendessen in einem kleinen Appartement mit Bett bei Freunden von den Bekannten aus Anould. In der darauf folgenden Nacht campierte ich dagegen auf einer Wiese im Zelt. Für Isis fand sich noch eine Ecke mit Gras, die provisorisch mit einem langen Seil und meiner zum Glück noch mitgenommenen Litze eingezäunt wurde. Wie gut, dass Isis auch ohne Strom darin blieb! Dank Kinderreitens noch spät am Abend gab es dann noch ein Abendessen von der neben der Wiese lebenden Großmutter eines der Kinder.

In der nächsten Nacht war wieder Zelt angesagt; dieses Mal auf einer Wiese auf dem Gelände eines komplett eingezäunten Reiterhofs. Leider erfuhr ich erst zu spät, dass die Toiletten und das ganze Gelände ab 20.00 Uhr abgeschlossen wurden. Also musste ich den heutigen Abend alleine verbringen und das Abendessen aus den Packtaschen bestreiten. Übrigens das einzige Mal. Die anderen Tage fanden sich immer hilfsbereite Menschen, die mir Essen anboten. Und sei es nur 3 Eier mit Zwieback, da sie ansonsten selber nichts hatten.

In Frankreich waren die schlechten Zäune eher ein Problem, eine gute Übernachtungsmöglichkeit für Mensch und Pferd zu finden. So war ich froh, dass ich Isis am nächsten Abend in einem Kuhfanggitter aus Leitplanken unterbringen konnte. Absolut ausbruchsicher (das wenige Futter würde ich am nächsten Tag mit mehr Fresspausen wieder ausgleichen) und ich konnte in Ruhe im Zelt neben dem Wohnhaus des jungen Landwirts schlafen. Anfangs war die Ehefrau skeptisch. Nachdem ich ihr klar gemacht hatte, dass ich nichts von ihrem Mann wollte, atmete sie sichtbar auf und ich wurde noch zu einem leckeren Reste-Essen und einem gemütlichen Abend eingeladen. Daneben grasten friedlich 240 Charolais incl. Deckbullen…

Isis störte sich nicht an den Rindviechern. Später machten ihr selbst Schweine im Wildpark 2 m vom Zaun entfernt sowie Esel und Lamas nichts aus. Sie ging ganz entspannt und trittsicher über schmale Stege, an Wasserfällen und an schwindelnden Abgründen vorbei. Dabei stets gut gelaunt und mit erstaunlich schnellem und zugleich sehr bequemem Schritt von über 7 km/Stunde. Diesen Schritt hielt sie auch die gesamten 4 Wochen durch! Selbst nach einem langen Tag von neun Stunden.
Einfach unglaublich, wie zäh und ausdauernd dieses kleine Pferdchen von nur 1,48 m Stockmaß und 480 kg Körpergewicht ist! Eben einfach typisch Mangalarga Marchador… Dazu musste sie incl. 15 kg Gepäck insgesamt 107 kg schleppen. Eigentlich zuviel- aber nicht für Isis. Sie lief stets locker und leicht und machte nie einen müden Eindruck. Natürlich bin ich auch tlw. neben ihr hergegangen (besonders bergab), um sie zu entlasten und die Durchblutung der Sattellage wieder anzuregen. Aber dann musste ich sie noch stets zurückhalten. Dies war mir auf Dauer zu anstrengend. Also wieder aufsteigen.

Bei allem Eifer entging Isis aber nichts, besonders kein Obstbaum mit heruntergefallenen Früchten. Selbst ein bunter Fleck auf dem Boden wurde sofort auf seine evt. Fressbarkeit hin untersucht, wenn ich dies zuließ.

Isis war schon als Fohlen ein Clown auf vier Beinen und hat eine ausgeprägte Mimik und Neugierde. Im Winter hatte ich ihr beigebracht, sich mit den Vorderhufen auf ein Podest zu stellen und rückwärts die Stufen hoch in den Stall zu gehen auf Kommando. Dies wurde jetzt dazu benutzt, bei Bäckereien (Frauchen isst gerne Teilchen) von selber auf die untersten zwei Treppenstufen zu steigen und dafür ein Brötchen zu bekommen. Auch unter das niedrige ausgeklappte Vordach vom Bäckerwagen ging sie ohne Zögern und sogar in die Eisdiele von Trier-Schweich. Daraufhin bat die Besitzerin, dies fotografisch festhalten zu dürfen…
Man muss sich schon vorher überlegen, ob man mit Pferd dadurch passt, denn Isis geht unverzüglich und ohne Zögern überall her. Egal, ob zwischen zwei engen Bäumen durch, Gräben, Steilhänge etc. Dabei wartet sie stets brav, bis ich ihr das Kommando zum losgehen gebe und folgt erst dann. Das ist z.B. bei Steilhängen wichtig, wo ich zu Fuß vorgehe. Im anderen Falle würde ich Isis bergauf nur behindern und bergab könnte sie auf mich rutschen oder springen, wenn sie nicht warten würde. An einer Stelle im Wald entpuppte sich der anfangs noch sehr schöne Hohlweg steil bergab als Alptraum (obwohl noch als Wanderweg in der Karte eingetragen). Häufig war er mit dicken Buchenstämmen zugefallen und ich musste immer wieder auf den schmalen Grat hochklettern und dann ein paar Meter weiter wieder die ca. 3 Meter in den Weg runter. Am „besten“ war aber das Ende: Der Weg hörte mitten im Berg plötzlich auf. Sowohl Pferd als auch ich mussten ca. 4 m fast senkrecht runterrutschen, um auf den darunter liegenden Querweg zu gelangen. Solch kleine Abenteuer unterwegs erlebten wir noch oft und nahmen es mit Gelassenheit hin.   Die Suche nach einem Nachtquartier mit Futter für das Pferd gestaltete sich in Frankreich etwas schwieriger. Es war heiß und alle Fenster und Türen in den vielen kleinen Dörfern geschlossen. Die Strassen waren menschenleer –noch nicht einmal Kinder spielten auf der Strasse. So war es nicht einfach, jemanden zu finden, den man nach einem Stückchen Wiese oder einem Landwirt oder Pferdebesitzer fragen konnte. Manchmal war es einfach der Autofahrer, der seinen Wagen neben dem Pferd im Schuppen parkte oder der alte Mann auf dem Balkon neben der Strasse, die uns unvermutet und mit viel Engagement weiterhalfen. So wurde telefoniert mit dem Ergebnis, dass ein Bekannter des Autofahrers aus dem Dorf nachher sogar mit viel Aufwand ein Stückchen Wiese nur für diese eine Nacht provisorisch einzäunte und sogar Wasser für’s Pferd und mich von weit her anschleppte. Er wollte sogar nichts dafür haben…

Aber es gab auch verschlossene Türen (neben einer verlockenden Wiese für die Nacht) und manchmal nicht so angenehme Übernachtungen: Isis musste z.B. kurz vor der deutschen Grenze eine Nacht in einem winzigen Eselstall zubringen mit 40 springlebendigen Ziegen direkt daneben und ich auf einer Couch in einem stark verräucherten Wohnzimmer.

Aber egal wie die Übernachtung auch war, am nächsten Morgen ging es frohen Mutes weiter. Es ist einfach schön, dann wieder zu zweit unterwegs zu sein. Man kann die Seele einfach baumeln lassen– der Weg ist das Ziel.

Zudem bekommt man dadurch eine unwahrscheinlich intensive und von gegenseitigem tiefem Vertrauen geprägte Beziehung zueinander. Manchmal ist es wie eine Offenbarung: Eines Tages machten wir in der Mittagshitze in einem kleinen Obsthain eine Pause und ich ließ Isis an der Hand grasen. Auf einmal merkte ich, wie mir mein Kreislauf wegging (ich habe stets zu niedrigen Blutdruck). Mir blieb nichts anderes übrig, als mich flach auf den Boden zu legen, um ein Umkippen zu verhindern. Isis hielt ich weiter fest. Im gleichen Moment, als ich mich hinlegte, hörte sie sofort auf zu fressen, scheuchte nicht mehr vehement die vielen Insekten weg und stand auf einmal ganz still neben mir und passte auf mich auf. Erst als es mir nach einer Viertelstunde besser ging und ich wieder aufstand, fraß sie normal weiter. So etwas hatte ich von der quirligen und noch recht jungen Isis nicht erwartet- ich war zutiefst berührt. Dasselbe ist einige Tage später noch einmal passiert, als ich mich in der schwülen Gewitterluft im Wald auf einem bemoosten Baumstumpf zu Isis Füssen ausruhte. Auch hier wachte sie über mich…

Dieses Erlebnis war für mich das Schönste auf dem ganzen Ritt- ich kannte es in dieser Form bisher nur von meiner P.R.E.-Stute Felipa. Und mit dieser verbanden mich mehr als 10 Jahre gemeinsame Wanderritte…   Es gab natürlich auch nette Gespräche mit den Gastgebern abends und manches Mal sogar eine Empfehlung für die nächste Nacht. Der Kontakt zu den anderen Menschen ist als einzelner Reiter viel intensiver, als wenn man mit mehreren gemeinsam unterwegs ist. Es liegt natürlich auch an jedem selber, sich zu öffnen und am Leben und Schicksal bisher wildfremder Menschen teilzuhaben. So gab es z.B. kurz vor der deutschen Grenze die Übernachtung bei einem Tiersammler. Er hatte Unmengen Geflügel, vier Hütehunde, Esel, Ziegen und ein Maultier und machte den ganzen Tag nichts anderes, als für seine Tiere zu sorgen. Alle Tiere waren in einem guten Zustand und in einem großen Terrain rund um einen See untergebracht. Er dagegen gab sein ganzes Geld für die Tiere aus, schlief nebenan in einem kleinen Zimmer im Haus des Bruders und bekam von seiner 5 km entfernt wohnenden Mutter noch Mittag- und Abendessen. Im Haus des Bruders war er aufgrund der schlechten Beziehung zu dessen neuen Frau nur ungern geduldet.  Mir wurde seine ganze Lebensgeschichte erzählt: Früher hatte er viele Jahre alleine im Hochgebirge mit seinen sieben Hunden Schafe gehütet, bis die Besitzer die Schafe alle verkauft hatten. Er fand keinen neuen Job mehr und hat sich aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen immer mehr von den Menschen weg und zu den Tieren hin gewendet. Ich konnte dies gut nachvollziehen- denn Tiere sind immer ehrlich – und musste noch oft an ihn denken.   Überhaupt gefielen mir die ersten 2  ½ Wochen meines Rittes am besten. Nicht, dass ich mich mit meinen beiden späteren Mitreitern nicht verstanden hätte (wir hatten viel Spaß miteinander), aber die Beziehung zum Pferd und zu den fremden Menschen unterwegs ist nicht mehr so intensiv. Dafür erlebte man wieder andere Sachen (mehr zwischenmenschlicher Art).   Die Hufeisen waren nach den ersten 2 ½ Wochen trotz vier Wadai-Stifte völlig abgelaufen und mussten  in den beiden Ruhetagen zu Hause in der Eifel erneuert werden. Es gab soviel zu tun, dass es sowieso keine Ruhetage waren: Wäsche waschen, stundenlang die fast vertrockneten Blumen meines schönen, großen Gartens wässern, etc.

Dann ging es wieder los: Diesmal zu zweit. Andreas, ein 22-jähriger junger Friedhofsgärtner, war bisher nur mit seinem Vater auf Wanderritten unterwegs gewesen. Nun hatte er mich gefragt, ob er mich in den nächsten 10 Tagen mit seiner lieben und problemlosen Tinkermix-Stute Gina begleiten dürfte. Er wollte einmal ohne seinen Vater reiten und andere Erfahrungen machen. Später erzählte er, selten soviel Neues und Interessantes gelernt zu haben (einschließlich Intensivkurs in Pflanzenkunde unterwegs). Es hat ihm so gut gefallen, dass er seinem Vater stolz erzählte, demnächst nur noch ohne ihn unterwegs sein zu wollen… (das fand der Vater wiederum ganz gut, da er nun mit anderen sehr trinkfesten und in der Wanderreit-Szene gut bekannten Reitern losziehen könne). Andreas Lieblingsspruch war: Er habe 1.000 Leute unter sich und keiner gebe ihm Widerworte… Die letzten 5 Tage unseres Ritts begleitete uns noch meine langjährige Freundin Ingrid mit ihrer Araber- Berber-Stute Quezzane.

Die erste Übernachtung mit Andreas auf dem 2. Teil des Rittes jetzt von der Eifel über den Niederrhein bis Reken/Münsterland war bei einem ehemaligen Arbeitskollegen von mir und Gärtnerfreund in Hürtgenwald. Man wollte kein Geld haben- dafür bringe ich im Herbst eine Fuhre gut verrotteten Pferdemist für den Garten vorbei.

Auch die folgende Übernachtung bei einem Bekannten, der ein P.R.E.-Gestüt in Jülich hat, verlief bei einem schmackhaften Abendessen in netter Atmosphäre. Am nächsten Morgen zeigte er uns nicht nur alle seine Pferde, auch seinen Lieblingshengst führte er am langen Zügel und in einer gelungenen Dressurvorstellung unter dem Sattel nur für uns beide vor. Daher wurde es Mittag, ehe wir weiter ritten. Bei der herzlichen Verabschiedung wurde versprochen, bald Ableger von meinen zahlreichen Duftgeraniensorten vorbei zu bringen. Einer der Einsteller des Hofes kam gerade von einem langen Fußmarsch mit zwei Eseln Richtung Santiago de Compostela zurück und erzählte von seinen Erfahrungen. Er musste 400 km vor dem Ziel abbrechen. Schnell wurde vereinbart, in absehbarer Zeit einen gemeinsamen Bilderabend mit leckerem Essen in Jülich zu machen.   Das Leben hielt noch mehr kleinere Abenteuer für uns bereit: Eine zugelaufene, sehr liebe Shettydame in Jülich (gerade, bevor wir mit den Pferden zur Eisdiele in der Innenstadt reiten wollten und dazu kann man nun wirklich kein freilaufendes Pony mitnehmen) und die Bekanntschaft zweier ganz unterschiedlicher FN-Berufsreitlehrer. Der eine unterrichtete als fahrender Dressurlehrer auf einem Pensionsstall am Niederrhein und hörte interessiert unserem Vorhaben und unseren Reiseschilderungen zu. Kommentar: „Ihr seid ja niedlich verrückt. Solche Reiter habe ich noch nicht erlebt.“ Dafür unterhielt er uns den ganzen Abend mit Schilderungen aus seiner Reitclientel: Es ging um Pferdeheilung per Pendel „die Kardätsche im Sattelschrank macht das Pferd laut dem Pendler krank, die habe ich danach sofort aus dem Mülleimer mitgenommen als schöne neue Bürste“, um Tierheilung per Telefon aus Berlin und andere sehr amüsante Dinge aus einer für uns fremden Welt.

Der andere Reitlehrer aus der Nähe des Rheins besaß einen Reitstall ohne Pensionspferde. Er erklärte uns ausgiebig die versicherungsrechtlichen Bestimmungen und wir mussten dort tatsächlich einen Einstellungsvertrag nur für eine Nacht abschließen. Dafür war der Elektrozaun der einzigen großen Wiese alle paar Meter aneinandergeknotet und sicherlich ohne Strom. Zum Glück waren unsere drei Pferde in einem separaten und neu eingezäunten kleinen Wiesenstück mit Strom untergebracht. Dieser Stall war wirklich kaum zu toppen: Da war die Elektrolitze mit einem einfachen Nagel am Holzzaun festgemacht (wie war das noch einmal mit der Erdung?) und in einer Boxe hat man einfach eine Holztür auf den maroden Bretterboden gelegt- aber auch die nach oben stehende Türklinke einfach dran gelassen!!!

Es gab aber auch sehr schöne Dinge wie z.B. das super leckere und riesige Eis in der Wassenberger Eisdiele.

Auch die Ausrüstung muss bei einer solchen Dauerbelastung exakt passen. Isis Sattel (Spirit von der Fa. Sommer) wurde vor dem langen Ritt mehrfach vom Verkäufer angepasst und trotzdem zeigten sich nach fünf Tagen sichtbare Hautveränderungen im vorderen Bereich. Wenn mir nicht Robert Claus bei meiner Übernachtung bei seiner Familie u.a. mit einem Messgitter geholfen hätte und eine Bekannte von ihm freundlicherweise mich nicht einfache Entfernung 90 km nach Pirmasens zur Fa. Sommer zum Umändern des Sattels gefahren hätten, wäre der Ritt bald für mich zu Ende gewesen.

Auch für Andreas wäre der Ritt nach ein paar Tagen aufgrund immer stärker werdenden Gurtdrucks zu Ende gewesen, wenn nicht eine hilfsbereite Distanzreiterin bei einer Übernachtung ihm Mull mitgegeben hätte. So konnte er ein Loch in den Mull schneiden und die Stelle soweit abpolstern, dass am Ende des Rittes wieder alles ganz verheilt war. Dabei hatte er die gleiche Ausrüstung wie immer genommen…

Zudem war seine Gina für Andreas erstmals sichtbar rossig geworden und klebte ganz fürchterlich an Quezzane. Dies wiederum gefiel Isis überhaupt nicht, die ihre neu gewonnene Freundin Gina am liebsten für sich beanspruchte. Sie ging sofort zwischen die beiden und so entstand ein regelrechter Pferde-Ringel-Reihen. Einen Abend mussten wir dies mit einer Litze unterbinden, da alle drei Pferde nur noch über die Wiese trabten und keine Ruhe fanden.
Andreas hatte außerdem keinen Schlafsack eingepackt, da ja alle Übernachtungen der 10 Tage vorher festgemacht waren. Die letzte Übernachtung vor Reken stellte sich allerdings als ein Heuhotel heraus. Ingrid und ich mummelten uns in unsere warmen Daunenschlafsäcke ein. Andreas blieb nichts anderes übrig, als seinen Wachsmantel als Decke anzuziehen. Was soll ich sagen- er ist frühmorgens völlig durchgefroren aufgestanden und in den zum Glück beheizten Frühstücksraum gegangen. Sein Weihnachts-Wunschzettel steht jetzt schon fest… Das Ende des Rittes war in Reken die 40 Jahr-Feier des VFD (Verein der Freizeitreiter Deutschlands). 170 Pferde waren angemeldet und Reiter/ Fahrer aus ganz Deutschland vertreten. Es gab viele Dias (Vortrag vom Weltumreiter Manfred Schulze und der 6.000 km quer durch Europa gefahrenen nachgebauten Postkutsche) und Vorführungen zu sehen von Donnerstag bis Sonntag. Ein schönes Fest!   Isis und ich sind zwar keine 6.000 km unterwegs gewesen, aber immerhin über 1.000 km in den vier Wochen und gesund und munter angekommen. Nur das und die vielen schönen Erlebnisse zählen! Derartig angespornt, ist schon der nächste lange Ritt in Planung: Einmal von der Eifel in gut zwei Monaten durch Frankreich bis ans Mittelmeer reiten.   Natürlich mit einem Mangalarga Marchador!